Arten & Unterarten

Südgiraffe: Angola-Giraffe und Südafrikanische Giraffe im Porträt

Südgiraffe im Porträt: wo Angola-Giraffe und Südafrikanische Giraffe leben, woran sie sich unterscheiden und wie es um ihren Schutz steht.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026

Die Südgiraffe ist eine der vier heute anerkannten Giraffenarten und die bestandsstärkste von ihnen. Sie lebt im südlichen Afrika und umfasst zwei Unterarten: die Angola-Giraffe und die Südafrikanische Giraffe. Hier erfährst du, wo die beiden leben, worin sie sich unterscheiden und wie es um ihren Schutz steht.

Eine Art mit zwei Unterarten

Lange galt die Giraffe als eine einzige Art. Heute erkennt die IUCN auf Basis genetischer Analysen vier eigenständige Giraffenarten an: Nordgiraffe, Netzgiraffe, Massai-Giraffe und Südgiraffe. Die Südgiraffe trägt den wissenschaftlichen Namen Giraffa giraffa und gliedert sich in zwei Unterarten, die Angola-Giraffe (Giraffa giraffa angolensis) und die Südafrikanische Giraffe (Giraffa giraffa giraffa). Beide ähneln sich in Körperbau und Lebensweise; Unterschiede zeigen sich vor allem im Verbreitungsgebiet und im Fellmuster. Wie die vier Arten zueinander stehen, erklärt der Beitrag Wie viele Giraffenarten gibt es? Ein Überblick.

Die Angola-Giraffe

Die Angola-Giraffe wird auch Namibische Giraffe genannt. Sie lebt im Westen des südlichen Afrika, unter anderem in Namibia. Gleichmäßig verteilt ist sie dort nicht: Giraffen kommen nur dort vor, wo sie geeigneten Lebensraum und genug Nahrung finden.

Ihr Fell zeigt große, unregelmäßige Flecken mit oft gezackten Rändern. Das Muster zieht sich über einen großen Teil des Körpers und kann auch an den Beinen zu sehen sein. Wie bei allen Giraffen ist die Zeichnung individuell: Kein Tier gleicht einem anderen vollständig.

Die Südafrikanische Giraffe

Die Südafrikanische Giraffe ist, wie ihr Name sagt, in Südafrika zu Hause und kommt auch in angrenzenden Ländern der Region vor. Scharfe Grenzen zwischen den Verbreitungsgebieten lassen sich nicht immer ziehen, denn Giraffen ziehen innerhalb geeigneter Landschaften umher, auch über Staatsgrenzen hinweg.

Ihr Fell trägt dunkle, rundliche bis sternförmige Flecken auf hellerem Grund. Das hilft bei einer groben Unterscheidung, ist aber kein sicheres Merkmal für jedes einzelne Tier: Die Muster variieren und können sich zwischen Populationen überschneiden.

Körperbau und Fellmuster

Der Körperbau der Südgiraffe ist auf die Nahrungssuche in den Baumkronen ausgelegt. Mit ihrem langen Hals erreicht sie Blätter und junge Triebe, an die die meisten anderen Pflanzenfresser nicht herankommen. Die Beine sind lang und kräftig. Im Schritt setzt sie beide Beine einer Körperseite gleichzeitig nach vorn, danach die der anderen Seite. Diese Gangart heißt Passgang.

Die Flecken dienen nicht nur der Unterscheidung. Im Wechsel von Licht und Schatten lösen sie die Umrisse des Körpers auf und tarnen das Tier. Unter den Flecken liegen zudem Strukturen, die an der Abgabe von Körperwärme beteiligt sind. Vor allem aber bleibt die Zeichnung ein sichtbares Erkennungsmerkmal, das sich von Tier zu Tier unterscheidet.

Auf dem Kopf sitzen zwei kurze, hautbedeckte Knochenzapfen, die Ossikone. Männchen und Weibchen tragen sie gleichermaßen. Bei ausgewachsenen Männchen können sich durch Knochenablagerungen zusätzliche Wülste bilden. Zusammen mit Körpergröße und Verhalten geben diese Merkmale Hinweise auf das Geschlecht, sind aus der Ferne aber nicht immer eindeutig zu erkennen.

Die Zunge ist lang und kräftig und hilft, Blätter zwischen den Zweigen zu greifen. Auch die Lippen sind beweglich, sodass die Giraffe gezielt auswählen kann, was sie frisst. Dornige Gehölze schrecken sie dabei nicht ab, denn sie ist an die Futtersuche zwischen Dornen gut angepasst.

Lebensraum und Nahrung

Südgiraffen leben in Savannen, Buschland und lichten Wäldern. Sie brauchen erreichbare Nahrung und genug Raum, um umherzuziehen. Dichte Wälder sind weniger geeignet, weil dort die Sicht eingeschränkt ist und hoch wachsende Futterpflanzen schwerer zu erreichen sind. Manche Populationen kommen sogar in sehr trockenen, wüstenähnlichen Gebieten zurecht.

Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Blättern, Trieben und anderen Teilen von Bäumen und Sträuchern. Was genau auf dem Speiseplan steht, hängt davon ab, was im jeweiligen Gebiet wächst. Giraffen bevorzugen dabei oft bestimmte Pflanzen und wechseln zwischen verschiedenen Futterquellen, sodass sich ihre Nahrung im Lauf der Jahreszeiten verändern kann.

Wasser trinken Südgiraffen, wenn es verfügbar ist. Einen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs decken sie über die Nahrung, ganz unabhängig von Wasserstellen sind sie aber nicht. Zum Trinken müssen sie die Vorderbeine spreizen und den Hals weit absenken. In dieser Haltung sind sie weniger beweglich und deshalb besonders wachsam.

Verhalten und Zusammenleben

Südgiraffen leben in lockeren Gruppen, deren Zusammensetzung sich immer wieder ändert. Tiere schließen sich zusammen und trennen sich wieder, statt dauerhaft in einer festen Herde zu bleiben. Weibchen und Jungtiere sind oft gemeinsam unterwegs, erwachsene Männchen ziehen häufig allein oder mit anderen Männchen umher.

Dank ihrer Größe haben Giraffen einen weiten Blick über die Umgebung und bemerken Gefahren früh. Unverwundbar sind sie trotzdem nicht: Vor allem Jungtiere sind durch Raubtiere gefährdet. Ausgewachsene Giraffen wehren sich mit kräftigen Tritten, weshalb Angreifer gesunden erwachsenen Tieren meist aus dem Weg gehen.

Männchen messen ihre Kräfte in Kämpfen, bei denen sie Kopf und Ossikone gegen Hals oder Körper des Rivalen schwingen. Diese Auseinandersetzungen klären die Rangordnung und können darüber entscheiden, welches Männchen Zugang zu paarungsbereiten Weibchen bekommt. Wie heftig sie ausfallen, ist sehr unterschiedlich.

Fortpflanzung und Jungtiere

Nach einer langen Tragzeit bringt ein Weibchen in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt. Die Geburt findet im Stehen statt, das Kalb fällt also aus einiger Höhe zu Boden. Bald darauf kann es sich aufrichten und erste Schritte machen. In der ersten Zeit ist es besonders auf Schutz und die Nähe der Mutter angewiesen.

Jungtiere wachsen oft in der Nähe anderer Weibchen und ihrer Kälber auf. Sie bleiben dabei nicht ständig direkt bei der Mutter; während sie frisst, sind andere Tiere in der Nähe. Vollständige Sicherheit bieten solche lockeren Verbände nicht, aber mehr Augen bemerken eine Gefahr eher.

Bis eine junge Giraffe ausgewachsen ist, dauert es lange. Sie muss lernen, geeignete Nahrung zu finden und sich in der Gruppe zu bewegen, und wird mit der Zeit immer selbstständiger. Wie lange sie bei der Mutter bleibt, hängt von ihrer Entwicklung und den Bedingungen im Lebensraum ab.

Bestand, Gefährdung und Schutz

Die Südgiraffe gilt als die bestandsstärkste der vier Giraffenarten. Gesichert ist ihre Zukunft damit aber nicht überall, denn die Lage unterscheidet sich von Region zu Region. Lebensraumverlust und die Zerschneidung von Landschaften erschweren den Zugang zu Nahrung und Wasser, und vielerorts konkurrieren menschliche Landnutzung und der Schutz frei lebender Tiere um dieselben Flächen. Eine pauschale Einschätzung für alle Bestände würde diesen Unterschieden nicht gerecht.

Schutzmaßnahmen zielen darauf, Lebensräume zu erhalten und Wanderwege zwischen ihnen offen zu halten. Für eine verlässliche Einschätzung braucht es regelmäßige Beobachtungen und Bestandserfassungen, die einzelne Populationen getrennt betrachten. Und weil sich die wissenschaftliche Einordnung der Giraffen weiterentwickelt, lohnt es sich, Angaben zu Unterarten immer im fachlichen Zusammenhang zu lesen.

Fazit

Die Südgiraffe umfasst die Angola-Giraffe und die Südafrikanische Giraffe. Beide teilen den typischen Körperbau und die Lebensweise der Giraffen im südlichen Afrika, unterscheiden sich aber in Verbreitung und Fellzeichnung. Weil Muster und Lebensräume variieren, lässt sich ein einzelnes Tier allein anhand weniger äußerer Merkmale nicht sicher zuordnen.

Passend dazu: Nordgiraffe: Nubische, Rothschild- und Kordofan-Giraffe, Massai-Giraffe: Merkmale, Verbreitung und Bestand und Netzgiraffe: Verbreitung, Fellmuster und Bestand. Alle Porträts und Hintergründe zu den Giraffenarten findest du unter Arten und Unterarten der Giraffe.

Häufige Fragen

Wie lässt sich eine Südgiraffe von anderen Giraffen unterscheiden?

Fellmuster und Herkunft geben Hinweise. Die Zeichnung allein reicht aber nicht immer, weil sie innerhalb einer Unterart variiert und sich Merkmale überschneiden. Für eine sichere Zuordnung braucht es Fachwissen und Angaben zum Lebensraum des Tieres.

Schlafen Südgiraffen im Stehen?

Giraffen können im Stehen ruhen und schlafen. Für tiefere Ruhephasen legen sie sich gelegentlich hin und biegen den Hals dabei zurück. Auch dann bleiben sie meist aufmerksam.

Wie verständigen sich Südgiraffen untereinander?

Vor allem über Körpersprache, Haltung und Bewegungen. Auch Laute kommen vor, sie sind aber oft leise und im offenen Gelände nicht leicht zu hören. Gerüche spielen im Sozialverhalten ebenfalls eine Rolle.