Arten & Unterarten

Netzgiraffe: Verbreitung, Fellmuster und Bestand

Netzgiraffe (Giraffa reticulata): woran du sie am Fellmuster erkennst, wo sie in Kenia lebt, wie groß der Bestand laut GCF 2025 ist und was sie schützt.

Zuletzt geprüft: September 2026

Mit ihrem auffälligen, netzartigen Fellmuster gilt die Netzgiraffe vielen als die markanteste aller Giraffen. Sie lebt heute nur noch in einem kleinen Teil Ostafrikas, ihr Bestand hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte stark verändert. Hier erfährst du, woran du die Netzgiraffe erkennst, wo sie vorkommt und wie es um ihre Zukunft steht.

Eine eigenständige Art seit 2025

Die Netzgiraffe trägt den wissenschaftlichen Namen Giraffa reticulata und wurde bereits 1899 wissenschaftlich beschrieben, lange Zeit jedoch nur als eine von mehreren Unterarten einer einzigen Giraffenart geführt. Seit August 2025 erkennt die IUCN sie auf Basis umfangreicher DNA-Analysen offiziell als eigenständige Art an, gemeinsam mit Nordgiraffe, Südgiraffe und Massai-Giraffe. In manchen Quellen wird sie auch als Somali-Giraffe bezeichnet.

Das namensgebende Fellmuster

Ihren Namen verdankt die Netzgiraffe einem sehr regelmäßigen Muster aus großen, vieleckigen, leberrot bis orangebraunen Flecken, die von einem feinen, hellen Liniennetz umrandet werden. Im Vergleich zu anderen Giraffenarten ist dabei weniger helle Fläche zwischen den Flecken sichtbar, was das Muster besonders klar und geometrisch wirken lässt. Dieses Netzmuster zieht sich bis auf die Beine und ist oft auch im Gesicht deutlich zu erkennen.

Verbreitungsgebiet: Kenia als Rückzugsort

Historisch war die Netzgiraffe im gesamten Horn von Afrika verbreitet. Heute liegt der Schwerpunkt ihres Vorkommens fast vollständig in Kenia, etwa rund um den Samburu-Nationalpark, den Meru-Nationalpark, den Norden des Mount Kenya sowie Teile des Tsavo-Ost-Nationalparks. Kleine, isolierte Restpopulationen könnten außerdem im Süden Somalias und Äthiopiens fortbestehen, gesicherte aktuelle Zahlen dazu gibt es jedoch kaum.

Lebensraum: Savanne, Trockenwald und Halbwüste

Netzgiraffen bevorzugen mit Akazien bestandene Savannen, trockene Waldgebiete, saisonale Überschwemmungsflächen sowie Halbwüsten und offene Buschlandschaften. Diese Lebensräume bieten ihnen sowohl Nahrung in Form von Baumkronen als auch die notwendige Übersicht, um Fressfeinde frühzeitig zu erkennen.

Aktueller Bestand und Gefährdung

Nach Angaben der Giraffe Conservation Foundation leben Stand 2025 noch etwa 20.900 Netzgiraffen in freier Wildbahn, ein Rückgang von mehr als 40 Prozent gegenüber geschätzten 36.000 Tieren vor rund 35 Jahren. Frühere Einschätzungen der IUCN aus dem Jahr 2018, als die Netzgiraffe erstmals als gefährdet eingestuft wurde, gingen von deutlich niedrigeren Zahlen aus. Solche Abweichungen zeigen, wie stark sich Bestandsschätzungen je nach Erhebungsmethode und Zeitpunkt unterscheiden können. Die Netzgiraffe gilt seit 2018 auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (Endangered).

Schutz findet vor allem außerhalb von Schutzgebieten statt

Eine Besonderheit der Netzgiraffe: Mehr als 95 Prozent der Population lebt außerhalb staatlich verwalteter Schutzgebiete, auf privatem oder gemeinschaftlich genutztem Land. Genau deshalb setzen viele Schutzprojekte in Nordkenia auf die Einbindung lokaler Gemeinden und privater Landbesitzer, statt sich allein auf Nationalparks zu verlassen.

Aktivität, Ruhephasen und Sozialleben

Netzgiraffen sind sowohl tagsüber als auch nachts aktiv, mit Schwerpunkten in den kühleren Morgen- und Abendstunden sowie um Mitternacht. Ihre Ruhephasen sind kurz und finden meist im Stehen statt. Sie leben in der Regel in kleinen, nicht territorialen Gruppen von etwa drei bis neun Tieren, die sich häufig aus verwandten Weibchen und ihrem Nachwuchs zusammensetzen. Weibchen übernehmen dabei zeitweise gemeinsam die Aufsicht über die Jungtiere mehrerer Mütter.

Ernährung und Nahrungskonkurrenz

Wie alle Giraffen ernährt sich die Netzgiraffe von Blättern, Trieben und Zweigen, vor allem von Akazien. Mit ihrer langen, dunkel gefärbten Zunge zieht sie Blätter selbst zwischen den Dornen hervor. Einen Großteil des Tages, mehrere Stunden am Stück, verbringt sie mit Fressen. Als Wiederkäuer kann sie auch faserreiche Nahrung gut verwerten. Nennenswerte Konkurrenz um Nahrung besteht vor allem gegenüber Elefanten, die ähnliche Baumbestände nutzen.

Fortpflanzung und Aufzucht

Weibliche Netzgiraffen signalisieren ihre Paarungsbereitschaft über Duftstoffe, dominante Bullen bewachen paarungsbereite Weibchen gegenüber Rivalen. Nach einer Tragzeit von etwa 15 Monaten bringt das Weibchen im Stehen ein einzelnes Kalb zur Welt, das bereits nach wenigen Minuten erste Stehversuche unternimmt. Entwöhnt werden die Kälber meist im Laufe der ersten anderthalb Lebensjahre, eine eigenständige Lebensweise erreichen Jungtiere meist erst im Alter von etwa zwei Jahren.

Netzgiraffen in menschlicher Obhut

Weltweit zählt die Netzgiraffe neben Massai- und Rothschild-Giraffe zu den in zoologischen Einrichtungen am häufigsten gehaltenen Giraffen. In der Vergangenheit wurden Netzgiraffen und Rothschild-Giraffen in manchen Einrichtungen miteinander verpaart, ausgehend von der Annahme, beide Formen würden sich auch in freier Wildbahn kreuzen. Untersuchungen aus dem Jahr 2016 widerlegten diese Annahme jedoch.

Naturschutzarbeit vor Ort

In Nordkenia unterstützen mehrere Organisationen Programme, in denen einheimische Ranger mit Kamerafallen und Foto-Wiedererkennungssystemen einzelne Netzgiraffen über Jahre hinweg verfolgen. Diese Arbeit hilft dabei, Wilderei frühzeitig zu erkennen, verletzte oder verwaiste Tiere zu versorgen und Gemeinden vor Ort in den Schutz der Art einzubinden.

Die Netzgiraffe zeigt eindrücklich, wie eng Schönheit und Gefährdung bei Giraffen zusammenhängen können. Ihr markantes Fellmuster macht sie zu einer der bekanntesten Giraffenformen überhaupt, während ihr Überleben zunehmend von Schutzarbeit außerhalb klassischer Nationalparks abhängt.

Passend dazu: Massai-Giraffe: Merkmale, Verbreitung und Bestand und Thermoregulation: wie Giraffen mit Hitze umgehen. Alle Porträts und Hintergründe zu den Giraffenarten findest du unter Arten und Unterarten der Giraffe.

Häufige Fragen

Warum heißt die Netzgiraffe so?

Sie ist nach ihrem charakteristischen Fellmuster benannt: großen, vieleckigen Flecken, die von einem feinen, netzartigen Liniengeflecht umrandet werden.

Wo lebt die Netzgiraffe heute noch?

Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in Kenia, etwa rund um Samburu, Meru, den Mount Kenya und Tsavo Ost. Kleine Restpopulationen könnten zudem im Süden Somalias und Äthiopiens bestehen.

Wie viele Netzgiraffen gibt es noch?

Nach aktuellen Schätzungen der Giraffe Conservation Foundation aus dem Jahr 2025 leben noch etwa 20.900 Tiere in freier Wildbahn, deutlich weniger als vor 35 Jahren.

Ist die Netzgiraffe vom Aussterben bedroht?

Sie gilt seit 2018 auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (Endangered), auch wenn lokale Schutzprojekte in Teilen Nordkenias erste Erfolge zeigen.

Können sich Netzgiraffen mit anderen Giraffenarten paaren?

In menschlicher Obhut ist eine Kreuzung, etwa mit der Rothschild-Giraffe, möglich. In freier Wildbahn findet zwischen den Giraffenarten nach genetischen Untersuchungen jedoch kaum Austausch statt.

Quellen

  • https://giraffeconservation.org/giraffe-species/reticulated-giraffe/
  • https://giraffeconservation.org/state-of-giraffe/
  • https://iucn.org/press-release/202508/four-giraffe-species-officially-recognised-major-conservation-reclassification