Arten & Unterarten

Massai-Giraffe: Merkmale, Verbreitung und Bestand

Massai-Giraffe (Giraffa tippelskirchi): Fellmuster in Weinblattform, Verbreitung in Kenia und Tansania, Luangwa-Giraffe und Bestand laut GCF 2025.

Zuletzt geprüft: September 2026

Die Massai-Giraffe ist nach der Südgiraffe die zweithäufigste Giraffenart und in weiten Teilen Ostafrikas zu Hause. Mit ihrem unregelmäßigen, dunklen Fellmuster ist sie leicht von den anderen Giraffenarten zu unterscheiden. Hier erfährst du, woher ihr Name stammt, wo sie lebt, wie sie sich von anderen Arten unterscheidet und wie es aktuell um ihren Bestand steht.

Benannt nach einer historischen Expedition

Die Massai-Giraffe trägt den wissenschaftlichen Namen Giraffa tippelskirchi und wurde 1898 vom deutschen Zoologen Paul Matschie beschrieben. Namensgeber war ein Teilnehmer einer deutschen Forschungsexpedition, der im Jahr 1896 im heutigen Tansania das Fell eines weiblichen Tieres mitbrachte. In manchen Quellen wird sie auch als Kilimanjaro-Giraffe bezeichnet, in Tansania gilt sie als Nationaltier.

Zwei Unterarten unter einer Art

Genetische Untersuchungen der Giraffe Conservation Foundation und ihrer Partner haben gezeigt, dass die Massai-Giraffe in zwei Unterarten aufgeteilt werden kann: die eigentliche Massai-Giraffe und die Luangwa-Giraffe, früher als Thornicroft-Giraffe bekannt. Beide Unterarten unterscheiden sich vor allem durch ihr getrenntes Verbreitungsgebiet voneinander. Seit August 2025 zählt die Massai-Giraffe als Ganzes zu den vier von der IUCN anerkannten Giraffenarten.

Das unregelmäßige Fellmuster

Massai-Giraffen sind an ihrer auffällig dunklen Fellfärbung erkennbar. Ihre Flecken sind groß, dunkelbraun und unregelmäßig gezackt, in ihrer Form erinnern sie an Weinblätter. Umrandet werden sie von einem cremig-braunen Ton, der sich bis zu den unteren Beinen zieht. Damit unterscheidet sich das Muster deutlich von der klaren, netzartigen Zeichnung der Netzgiraffe.

Verbreitungsgebiet: Kenia, Tansania und darüber hinaus

Massai-Giraffen leben im zentralen und südlichen Kenia sowie in weiten Teilen Tansanias. Innerhalb dieses großen Gebiets bewohnen sie vor allem offene Savannen und lichte Trockenwälder, in denen sie ausreichend Bäume für ihre Nahrungssuche und gleichzeitig freie Sicht auf mögliche Fressfeinde finden. Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ist die Population im Akagera-Nationalpark in Ruanda: Mitte der 1990er-Jahre wurden dort Tiere aus Kenia angesiedelt. Inzwischen zählt die Population dort mehr als 160 Tiere und gilt als eines der positiven Beispiele für Wiederansiedlungsprojekte bei Giraffen.

Körperbau und ein besonderer Rekord

Bullen der Massai-Giraffe werden bis zu 5,8 Meter hoch und bringen rund 1,3 Tonnen auf die Waage, womit sie zu den größten Giraffen überhaupt zählen. Weibchen bleiben in der Regel etwas kleiner und leichter. Der Hals macht dabei etwa ein Drittel der gesamten Körperhöhe aus und besteht, wie bei allen Giraffen, aus nur sieben Halswirbeln. Auch die höchste jemals dokumentierte Giraffe war ein Massai-Bulle, mehr dazu liest du im Artikel Die größte Giraffe der Welt: Rekorde und Fakten. In freier Wildbahn erreichen Massai-Giraffen ein Alter von bis zu etwa 30 Jahren.

Bestand und Gefährdung

Nach Angaben der Giraffe Conservation Foundation lebten vor rund 35 Jahren noch etwa 71.000 Massai-Giraffen in freier Wildbahn, heute sind es noch etwa 43.000 Tiere (Stand 2025). Die IUCN stufte die Massai-Giraffe 2018 aufgrund eines Rückgangs von rund 50 Prozent innerhalb von 30 Jahren als gefährdet (Endangered) ein. Neuere Auswertungen der Giraffe Conservation Foundation deuten jedoch auf eine langsame, aber stetige Erholung der Bestände in den vergangenen fünf Jahren hin.

Die Luangwa-Giraffe: eine isolierte Population

Im Süd-Luangwa-Tal im Osten Sambias lebt mit der Luangwa-Giraffe eine räumlich isolierte Unterart. Die IUCN stufte sie 2018 als gefährdet in der Kategorie Vulnerable ein, vor allem wegen ihres begrenzten Verbreitungsgebiets. Aktuelle Zahlen der Giraffe Conservation Foundation (Stand 2025) zeigen inzwischen einen Bestand von etwa 764 Tieren und ein um mehr als ein Drittel gewachsenes Verbreitungsgebiet.

Bedrohungen: Wilderei und Lebensraumverlust

Die Massai-Giraffe leidet vor allem unter Wilderei für den Fleischhandel sowie unter Lebensraumverlust und Fragmentierung ihrer Lebensräume durch menschliche Ausdehnung. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dabei ein differenziertes Bild: Außerhalb von Schutzgebieten sterben vor allem erwachsene Tiere häufiger durch Wilderei, während innerhalb von Schutzgebieten eher Jungtiere Raubtieren zum Opfer fallen. Auch die Jahreszeit der Geburt und die Anwesenheit ziehender Gnu- und Zebraherden hängen nachweislich damit zusammen, wie viele Kälber die ersten kritischen Monate überleben.

Massai-Giraffen in menschlicher Obhut

Massai-Giraffen werden auch in zoologischen Einrichtungen außerhalb Afrikas gehalten, wo einzelne Weibchen bereits erfolgreich Nachwuchs zur Welt gebracht haben. Bei wild lebenden wie auch bei gehaltenen Tieren wurde zudem eine bislang ungeklärte Hauterkrankung beobachtet, die Läsionen vor allem an den Vorderbeinen verursacht. Ihre Ursache ist noch nicht abschließend geklärt und wird weiterhin erforscht.

Naturschutzarbeit vor Ort

Staatliche Wildschutzbehörden und Naturschutzorganisationen in Kenia, Tansania und Sambia arbeiten an Schutzprogrammen für die Massai-Giraffe, von der Überwachung einzelner Populationen bis zur Bekämpfung von Wilderei. Auch gemeindebasierte Schutzgebiete außerhalb klassischer Nationalparks haben sich in wissenschaftlichen Untersuchungen als wirksames Mittel erwiesen, um Giraffenbestände langfristig zu erhalten.

Die Massai-Giraffe zeigt, wie unterschiedlich sich das Schicksal einzelner Giraffenlinien entwickeln kann: von einer einst besonders zahlreichen Art über einen dramatischen Rückgang bis zu ersten, vorsichtigen Zeichen der Erholung.

Passend dazu: Nordgiraffe: Nubische, Rothschild- und Kordofan-Giraffe und Netzgiraffe: Verbreitung, Fellmuster und Bestand. Alle Porträts und Hintergründe zu den Giraffenarten findest du unter Arten und Unterarten der Giraffe.

Häufige Fragen

Woher hat die Massai-Giraffe ihren Namen?

Sie wurde nach einem Teilnehmer einer deutschen Forschungsexpedition benannt, der 1896 das Fell eines Tieres aus dem heutigen Tansania mitbrachte.

Wo lebt die Massai-Giraffe?

Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt im zentralen und südlichen Kenia sowie in Tansania, durch Ansiedlung gibt es zudem eine Population in Ruanda.

Wie viele Massai-Giraffen gibt es noch?

Nach Schätzungen der Giraffe Conservation Foundation (Stand 2025) leben noch etwa 43.000 Tiere in freier Wildbahn, deutlich weniger als vor 35 Jahren.

Was ist die Luangwa-Giraffe?

Sie ist eine Unterart der Massai-Giraffe, die isoliert im Süd-Luangwa-Tal in Sambia lebt und dort einen kleinen, aber zuletzt wachsenden Bestand aufweist.

Woran erkennt man eine Massai-Giraffe?

An ihrem dunklen, unregelmäßig gezackten Fleckenmuster in Weinblattform, das deutlich unruhiger wirkt als das netzartige Muster der Netzgiraffe.

Quellen

  • https://giraffeconservation.org/giraffe-species/masai-giraffe/
  • https://giraffeconservation.org/state-of-giraffe/
  • https://iucn.org/press-release/202508/four-giraffe-species-officially-recognised-major-conservation-reclassification