Nordgiraffe: Nubische, Rothschild- und Kordofan-Giraffe
Nordgiraffe mit Nubischer, Rothschild- und Kordofan-Giraffe: Merkmale, Verbreitung, Gefährdung und Bestandszahlen laut GCF 2025 im Überblick.
Die Nordgiraffe zählt zu den am stärksten bedrohten großen Landsäugetieren überhaupt. Innerhalb dieser einen Art gibt es drei Unterarten, deren Schicksal höchst unterschiedlich verläuft, von akut vom Aussterben bedroht bis zu vorsichtigen Erfolgsgeschichten. Hier erfährst du, was die Nordgiraffe ausmacht und wie es um Nubische, Rothschild- und Kordofan-Giraffe steht.
Eine Art mit drei Unterarten
Die Nordgiraffe (Giraffa camelopardalis) ist seit August 2025 eine von vier durch die IUCN anerkannten Giraffenarten. Sie umfasst drei Unterarten: die Kordofan-Giraffe, die Nubische Giraffe und die Westafrikanische Giraffe. Die bekannte Rothschild-Giraffe zählt dabei genetisch und äußerlich zur Nubischen Giraffe, wird umgangssprachlich aber häufig weiterhin als eigene Form bezeichnet. Anders als etwa die Netzgiraffe oder die Massai-Giraffe lebt die Nordgiraffe überwiegend in Regionen West-, Zentral- und Ostafrikas, die politisch instabil oder nur schwer zugänglich sind, was sowohl ihre Erforschung als auch ihren Schutz erschwert.
Erkennungsmerkmal: helle Beine ohne Zeichnung
Alle Unterarten der Nordgiraffe tragen große, eckige, kastanienbraune Flecken, die von einem cremig-weißen Ton umrandet werden. Die Farbgebung kann dabei von recht dunkel bis auffällig hell variieren. Ihr auffälligstes gemeinsames Merkmal sind jedoch die unteren Beine: Anders als bei den anderen Giraffenarten sind sie hier ungezeichnet und wirken dadurch wie helle Strümpfe.
Die Nubische Giraffe: die namensgebende Ursprungsform
Die Nubische Giraffe (Giraffa camelopardalis camelopardalis) war das erste wissenschaftlich beschriebene Giraffenexemplar überhaupt und gab der gesamten Art damit ihren lateinischen Namen. Sie kommt im westlichen Äthiopien, im zentralen und westlichen Kenia, im östlichen Südsudan und in Uganda vor. Nach Angaben der Giraffe Conservation Foundation (Stand 2025) leben noch knapp 4.000 Tiere in freier Wildbahn, seit 2018 führt die IUCN sie aufgrund eines geschätzten Rückgangs von rund 95 Prozent innerhalb von drei Jahrzehnten als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered). Verlässliche Zahlen aus den fragmentierten Populationen in Äthiopien und dem Südsudan sind wegen der schwierigen Zugänglichkeit dieser Regionen und anhaltender Wilderei kaum zu erheben.
Rothschild-Giraffe: eine bekannte Form der Nubischen Giraffe
Die Rothschild-Giraffe, benannt nach dem britischen Zoologen Walter Rothschild und auch als Baringo- oder Uganda-Giraffe bekannt, galt lange als eigene Unterart. Genetisch und äußerlich unterscheidet sie sich jedoch kaum von der Nubischen Giraffe, weshalb sie heute taxonomisch dieser zugeordnet wird. Ein auffälliges Merkmal bleibt trotzdem: Als einzige Giraffenform trägt sie häufig fünf statt zwei Ossikonen, mit einem zusätzlichen Höcker mittig auf der Stirn und je einem kleineren hinter den Ohren. Rund 60 Prozent der verbliebenen Tiere leben in Uganda, der Rest vor allem in Kenia, konzentriert auf einzelne Schutzgebiete wie den Lake-Nakuru-Nationalpark und den Murchison-Falls-Nationalpark. Dank gezielter Zuchtprogramme und Auswilderungen in geschützten Gebieten stufte die IUCN diese Population 2018 noch separat als potenziell gefährdet (Near Threatened) ein, ein deutlicher Kontrast zur insgesamt vom Aussterben bedrohten Nubischen Giraffe, zu der sie heute gezählt wird.
Kordofan-Giraffe: bedroht durch politische Instabilität
Die Kordofan-Giraffe (Giraffa camelopardalis antiquorum) lebt im südlichen Tschad, im nördlichen Teil der Zentralafrikanischen Republik, im Norden Kameruns, im Norden der Demokratischen Republik Kongo sowie im Westen des Südsudan, Regionen, die von politischer Instabilität und bewaffneten Konflikten geprägt sind. Nach Angaben der Giraffe Conservation Foundation (Stand 2025) leben dort nur noch rund 2.400 Tiere in freier Wildbahn, ein Rückgang von über 80 Prozent innerhalb von 35 Jahren. Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered).
Westafrikanische Giraffe: eine Erfolgsgeschichte aus Niger
Früher reichte das Verbreitungsgebiet der Westafrikanischen Giraffe über weite Teile Westafrikas. Mitte der 1990er-Jahre waren in Niger nur noch 49 Tiere übrig. Dank konsequenten Schutzes durch die nigrische Regierung und internationale Partner ist der Bestand nach Angaben der Giraffe Conservation Foundation (Stand 2025) auf fast 670 Tiere angewachsen. Zwischen 2018 und 2022 wurden zwölf Tiere in das Gadabedji-Biosphärenreservat umgesiedelt, um eine erste zusätzliche Population außerhalb ihres bisherigen Kerngebiets aufzubauen.
Gesamtbestand und Gefährdungslage
Zusammengenommen leben nach dem Bericht der Giraffe Conservation Foundation von 2025 nur noch gut 7.000 Nordgiraffen in freier Wildbahn, verteilt auf drei Unterarten und mehrere Länder West-, Zentral- und Ostafrikas. Damit zählt die Art insgesamt zu den am stärksten gefährdeten großen Säugetieren der Welt, auch wenn sich einzelne Unterarten in den vergangenen Jahren unterschiedlich entwickelt haben.
Warum diese Unterarten so gefährdet sind
Die Gründe für den Rückgang ähneln sich über alle drei Unterarten hinweg: Lebensraumverlust durch menschliche Ausdehnung, Fragmentierung der verbliebenen Populationen sowie Wilderei, teils für Fleisch, teils für einzelne Körperteile. In vielen Verbreitungsgebieten kommt erschwerend hinzu, dass politische Konflikte den Zugang für Forschung und Schutzarbeit über Jahre hinweg einschränken, sodass selbst grundlegende Bestandszahlen oft nur schwer zu ermitteln sind.
Schutzarbeit vor Ort
Von gezielten Umsiedlungen einzelner Populationen über Zuchtprogramme in Schutzgebieten bis zur Einbindung lokaler Gemeinden reicht die Bandbreite der Maßnahmen, mit denen Regierungen und Naturschutzorganisationen versuchen, die Nordgiraffe zu erhalten. Die Erfolge der Westafrikanischen Giraffe und der Rothschild-Population zeigen, dass gezielter Schutz auch bei sehr kleinen Ausgangsbeständen wirken kann.
Passend dazu: Das Okapi: der einzige lebende Verwandte der Giraffe und Massai-Giraffe: Merkmale, Verbreitung und Bestand. Alle Porträts und Hintergründe zu den Giraffenarten findest du unter Arten und Unterarten der Giraffe.
Häufige Fragen
Was unterscheidet die Nordgiraffe von anderen Giraffenarten?
Ihre kastanienbraunen, eckigen Flecken und vor allem ihre ungezeichneten unteren Beine, die wie helle Strümpfe wirken.
Ist die Rothschild-Giraffe eine eigene Unterart?
Taxonomisch nicht mehr: Sie gilt heute als Teil der Nubischen Giraffe, wird umgangssprachlich aber weiterhin oft eigenständig benannt.
Wie viele Nordgiraffen gibt es noch?
Nach Schätzungen der Giraffe Conservation Foundation (Stand 2025) leben insgesamt nur noch gut 7.000 Tiere aller drei Unterarten in freier Wildbahn.
Warum ist die Kordofan-Giraffe so stark gefährdet?
Sie lebt in Regionen Zentralafrikas, die von politischer Instabilität und bewaffneten Konflikten betroffen sind, was sowohl den Lebensraum als auch den Schutz der Tiere erschwert.
Wie hat sich die Westafrikanische Giraffe erholt?
Von nur 49 Tieren in den 1990er-Jahren ist der Bestand dank konsequenten staatlichen Schutzes in Niger auf inzwischen fast 670 Tiere angewachsen.
Quellen
- https://giraffeconservation.org/giraffe-species/northern-giraffe/
- https://giraffeconservation.org/state-of-giraffe/
- https://iucn.org/press-release/202508/four-giraffe-species-officially-recognised-major-conservation-reclassification