Arten & Unterarten

Das Okapi: der einzige lebende Verwandte der Giraffe

Okapi (Okapia johnstoni): warum es der einzige lebende Verwandte der Giraffe ist, wie es im Regenwald des Kongo lebt und warum es gefährdet ist.

Zuletzt geprüft: September 2026

Mit seinen zebraartigen Streifen wirkt das Okapi auf den ersten Blick wie eine völlig andere Tierart. Tatsächlich ist es der einzige noch lebende nahe Verwandte der Giraffe und wurde von der Wissenschaft erst vor gut hundert Jahren entdeckt. Hier erfährst du, was das Okapi mit der Giraffe verbindet, wie es lebt und warum sein Überleben so ungewiss ist.

Ein naher Verwandter, aber keine Giraffenart

Giraffe und Okapi sind die einzigen beiden noch lebenden Arten der Familie Giraffidae. Ihr gemeinsamer Vorfahre lebte Schätzungen zufolge vor etwa 11,5 Millionen Jahren. Trotz dieser engen Verwandtschaft bildet das Okapi eine eigene Gattung, Okapia, mit nur einer einzigen Art: Okapia johnstoni. Wegen seiner Streifen wird es gelegentlich auch als Waldgiraffe oder Zebragiraffe bezeichnet, mit dem Zebra selbst ist es jedoch nicht näher verwandt.

Entdeckungsgeschichte: das “afrikanische Einhorn”

Lange bevor Fachleute das Okapi wissenschaftlich beschrieben, kursierten unter Europäern in Afrika Gerüchte über ein rätselhaftes Waldtier, das manche als “afrikanisches Einhorn” bezeichneten. Der Forschungsreisende Henry Morton Stanley erwähnte 1887 ein eselähnliches Tier, das die einheimische Bevölkerung “Atti” nannte. Erst der britische Kolonialbeamte Harry Johnston brachte 1901 Fellstücke und einen Schädel nach Europa. Zunächst wurde das Tier noch als Verwandter der Pferde beschrieben, kurz darauf aber als Verwandter der Giraffe erkannt und in die eigene Gattung Okapia gestellt. Der Artname johnstoni erinnert an Johnston selbst.

Körperbau: Giraffe und Zebra in einem

Ein Okapi erreicht eine Schulterhöhe von etwa 1,5 Metern und eine Körperlänge von rund 2,5 Metern, bei einem Gewicht zwischen 200 und 350 Kilogramm. Damit ist es deutlich kleiner als jede Giraffenart. Sein Fell ist schokoladen- bis rotbraun gefärbt, an den Beinen und am Hinterteil sitzen kontrastreiche weiße Querstreifen. Männchen tragen kurze, hautbedeckte Ossikonen von weniger als 15 Zentimetern Länge, Weibchen haben stattdessen Haarwirbel an derselben Stelle. Wie die Giraffe besitzt auch das Okapi trotz seines viel kürzeren Halses nur sieben Halswirbel, und seine dunkle, lange Zunge dient ebenfalls dem Abzupfen von Blättern.

Lebensraum: ausschließlich im Kongobecken

Okapis kommen ausschließlich im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo vor, in dichten Regenwäldern auf Höhenlagen zwischen 500 und 1.500 Metern. Ihr dunkles, gestreiftes Fell macht sie im Schatten des dichten Blätterdachs erstaunlich schwer zu entdecken. Vereinzelte Hinweise deuten zudem auf eine kleine Population südwestlich des Kongo-Flusses hin. Ein natürliches Vorkommen außerhalb Afrikas gibt es, wie bei allen Giraffenarten, nicht.

Einzelgänger mit festen Rückzugsgebieten

Okapis sind überwiegend tagaktiv, gelegentlich aber auch in der Dämmerung oder Nacht unterwegs. Sie leben als Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarung. Männliche Reviere umfassen im Schnitt rund 13 Quadratkilometer und überlappen sich mit mehreren weiblichen Revieren von jeweils 3 bis 5 Quadratkilometern. Männchen markieren ihr Revier mit Urin, Weibchen nutzen dagegen feste Kotplätze.

Ernährung: mehr als hundert Pflanzenarten

Okapis ernähren sich von Blättern, Knospen, Gräsern, Farnen, Früchten und Pilzen und gelten im Ituri-Regenwald als einziges Säugetier, das sich ausschließlich von Unterwuchsvegetation ernährt. Mit ihrer bis zu 46 Zentimeter langen Zunge zupfen sie gezielt Blätter, auch von Pflanzen, die für andere Tiere giftig sind. Insgesamt wurden über hundert verschiedene Pflanzenarten in ihrer Nahrung nachgewiesen, ohne dass eine einzelne Art den Speiseplan dominiert.

Fortpflanzung: eine außergewöhnlich lange Tragzeit

Okapis paaren sich unabhängig von der Jahreszeit. Die Tragzeit liegt bei etwa 440 bis 450 Tagen, eine der längsten unter allen Säugetieren, und endet meist mit der Geburt eines einzelnen Kalbs. Die Jungtiere verbringen die ersten Wochen versteckt, feste Nahrung nehmen sie ab einem Alter von etwa drei Monaten zu sich, entwöhnt werden sie mit rund sechs Monaten.

Bedrohung und Schutzstatus

Das Okapi gilt seit 2013 auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (Endangered). Belastbare Bestandszahlen gibt es kaum, die Schätzungen gehen weit auseinander. Verlässliche Zählungen sind wegen des dichten Regenwaldes und der politischen Lage in Teilen seines Verbreitungsgebiets schwierig. Zu den größten Bedrohungen zählen Lebensraumverlust durch Abholzung und menschliche Besiedlung, Wilderei für Fleisch und Fell sowie illegaler Bergbau. Erschwerend kommt hinzu, dass bewaffnete Gruppen in Teilen des Verbreitungsgebiets Schutz- und Überwachungsarbeit erheblich behindern. Größere Bestände leben im Okapi-Wildreservat sowie im Maiko-Nationalpark und weiteren Schutzgebieten.

Ein Nationalsymbol der Demokratischen Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo ist das Okapi ein anerkanntes Nationalsymbol und erscheint unter anderem auf Geldscheinen sowie im Emblem der staatlichen Wildhüter, die für den Schutz von Wildtieren und Wäldern im Land zuständig sind. Wie ernst die Sicherheitslage vor Ort sein kann, zeigte sich 2012, als eine bewaffnete Gruppe die Zentrale des Okapi-Wildreservats angriff. Dabei kamen sowohl Wildhüter als auch die dort gehaltenen Okapis ums Leben.

Schutzarbeit vor Ort und in Zoos

Seit 1987 arbeitet eine internationale Naturschutzinitiative gezielt am Schutz des Okapis und unterstützt zugleich die im Ituri-Regenwald lebende indigene Bevölkerung. International abgestimmte Zuchtprogramme zwischen Zoos in Nordamerika, Europa und Japan sollen zudem den Genpool der in menschlicher Obhut gehaltenen Okapis erhalten und langfristig zur Arterhaltung beitragen.

Passend dazu: Thermoregulation: wie Giraffen mit Hitze umgehen und Nordgiraffe: Nubische, Rothschild- und Kordofan-Giraffe. Alle Porträts und Hintergründe zu den Giraffenarten findest du unter Arten und Unterarten der Giraffe.

Häufige Fragen

Ist das Okapi eine Giraffenart?

Nein, es bildet eine eigene Gattung namens Okapia mit nur einer Art. Es ist aber der einzige noch lebende nahe Verwandte der Giraffe.

Warum hat das Okapi Streifen wie ein Zebra?

Die Streifen dienen vermutlich der Tarnung im dichten Wald. Sie sind eine eigenständige Anpassung und kein Zeichen einer Verwandtschaft mit dem Zebra.

Wo lebt das Okapi?

Ausschließlich in den Regenwäldern im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, mit möglichen kleinen Vorkommen südwestlich des Kongo-Flusses.

Wie viele Okapis gibt es noch?

Belastbare Zahlen gibt es nicht, die Schätzungen gehen weit auseinander. Die Art gilt seit 2013 auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet.

Wie lange sind Okapis trächtig?

Mit etwa 440 bis 450 Tagen haben sie eine der längsten Tragzeiten aller Säugetiere.

Quellen

  • https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2015-046.pdf
  • https://phys.org/news/2013-11-okapi-flufftail-extinction-iucn-red.html